Tilgungsrate: Die unterschätzte Variable
Beim Vergleich von Anschlussfinanzierungen starren die meisten auf den Zinssatz. Die Tilgungsrate wird oft vernachlässigt — obwohl sie entscheidet, wann Sie schuldenfrei sind und wie viel Gesamtzinsen Sie zahlen. Ein Prozentpunkt mehr Tilgung kann Jahrzehnte Laufzeit einsparen.
Rechenbeispiel: 200.000 € Restschuld, 3,5 % Zins
| Tilgung | Monatliche Rate | Laufzeit bis schuldenfrei | Gesamtzinsen |
|---|---|---|---|
| 1 % | 750 € | ca. 45 Jahre | ca. 203.000 € |
| 2 % | 917 € | ca. 27 Jahre | ca. 96.000 € |
| 3 % | 1.083 € | ca. 21 Jahre | ca. 73.000 € |
| 4 % | 1.250 € | ca. 18 Jahre | ca. 60.000 € |
Vereinfachte Berechnung (keine Zinsbindungsablauf-Anpassung). Ziel: Größenordnung zeigen, nicht exakte Prognose.
Das Ergebnis: 2% vs. 3% im direkten Vergleich
- Mehrkosten pro Monat: 166 € mehr bei 3 % Tilgung
- Laufzeit gespart: rund 6 Jahre weniger Kreditlaufzeit
- Zinsen gespart: ca. 23.000 € weniger Gesamtzinsen
- Rendite auf den Mehrbeitrag: Sehr hoch — die 166 € mehr monatlich sparen 23.000 € Zinsen
In anderen Worten: Jeder Euro mehr Tilgung heute spart mehrere Euro Zinsen in der Zukunft. Grundlagen erklärt: Tilgung von 2 Prozent — was das bedeutet.
Wann ist welche Tilgungsrate richtig?
2 % Tilgung — wenn:
- Monatliche Belastung schon an der Grenze des Komfortablen
- Sie mit Gehaltserhöhungen rechnen und dann erhöhen wollen
- Sondertilgungsrecht ausgehandelt → bei Erbschaften oder Boni außerplanmäßig tilgen
3 % oder mehr — wenn:
- Einkommen gibt es her
- Sie schuldenfrei vor der Rente sein wollen
- Der Zinssatz hoch ist (jeder Tilgungs-Euro ist teurer Zinsmeilung)
- Sie sicherheitsorientiert sind und keine Aktienanlage bevorzugen
Tilgungsrate und Zinsbindung aufeinander abstimmen
Wichtig: Die Tilgungsrate beeinflusst auch die optimale Zinsbindungsdauer. Bei hoher Tilgung (3 % +) sinkt die Restschuld schnell — in 10 Jahren können Sie schon bei 50 % der ursprünglichen Schuld sein. Dann ist eine erneute Anschlussfinanzierung weniger riskant. Bei niedriger Tilgung: Lieber längere Zinsbindung wählen, um Zinsänderungsrisiko zu minimieren. Ratgeber dazu: die richtige Zinsbindung wählen.
Das hängt vom Vertrag ab. Viele Banken erlauben 1–2 Tilgungsänderungen während der Zinsbindung. Verhandeln Sie das beim Abschluss — es kostet nichts und gibt Ihnen Flexibilität für Lebenssituationsänderungen.
Beides hat Vorteile. Hohe reguläre Tilgung ist disziplinierter — das Geld ist "weg" bevor man es ausgibt. Sondertilgung ist flexibler — gut für variable Einkommen (Selbstständige, Bonuszahlungen). Ideal: Moderate reguläre Tilgung (2–3 %) plus Sondertilgungsrecht (5–10 % p.a.).
Berechnen Sie zuerst Ihr Ziel (schuldenfrei mit 65, schuldenfrei mit 60) und Ihre aktuelle Restschuld. Dann rückwärts rechnen: Welche Tilgungsrate bringt Sie zum Ziel? Online-Tilgungsrechner (z.B. auf dieser Website) helfen dabei.