Viele Immobilieneigentümer scheuen den Bankwechsel bei der Anschlussfinanzierung — aus Bequemlichkeit oder weil sie die Kosten fürchten. Dabei ist der Wechsel oft einfacher als gedacht und bringt schnell mehrere tausend Euro Ersparnis.
Was kostet ein Bankwechsel?
Die wichtigsten Kostenpositionen beim Wechsel zu einer neuen Bank:
- Grundschuldabtretung: 150–300 € beim Notar (alter Gläubiger überträgt auf neuen)
- Alternativ Grundschuld löschen + neu eintragen: 500–1.000 € (teurer, selten nötig)
- Bearbeitungsgebühren: Meist keine bei der neuen Bank (gesetzlich verboten)
- Bewertungskosten: Manche Banken verlangen 200–500 € für Wertgutachten (Ausnahme)
Reale Kosten in der Praxis: Meist nur die Notarkosten, also 150–300 €.
Was bringt der Wechsel?
Ein Beispiel: Restschuld 250.000 €, aktuell 4,0 % bei der Hausbank, günstigste Alternative 3,5 %.
- Zinsdifferenz: 0,5 % p.a. = 1.250 € pro Jahr
- Über 10 Jahre: 12.500 € Ersparnis brutto
- Minus Notarkosten: 200 €
- Netto-Ersparnis: ca. 12.300 €
Wie läuft der Wechsel ab?
- Angebote vergleichen (Interhyp, Dr. Klein, Direktbanken)
- Bestes Angebot annehmen und Darlehensvertrag abschließen
- Neue Bank kümmert sich um die Grundschuldübertragung
- Alte Bank wird zum Ablauftermin abgelöst
Sie müssen kaum etwas tun — die neue Bank organisiert den Großteil.
Wann lohnt der Wechsel NICHT?
- Wenn die Zinsdifferenz unter 0,1 % liegt (Ersparnis deckt kaum die Notarkosten)
- Wenn Sie die Immobilie in Kürze verkaufen möchten
- Wenn die bisherige Bank nach Verhandlung gleichzieht
Fazit
Der Bankwechsel kostet Sie vielleicht einen Nachmittag für Vergleiche und einen kurzen Notar-Termin. Die Ersparnis: Oft 5.000–20.000 € über die nächste Zinsbindungsperiode.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Viele Immobilieneigentümer warten zu lange. Dabei lohnt es sich, spätestens 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung aktiv zu werden. So haben Sie genug Zeit, Angebote zu vergleichen und zu verhandeln — ohne Druck. Wer unter Zeitdruck unterschreibt, akzeptiert oft Konditionen, die 10.000 € oder mehr teurer sind.
Der Vergleich lohnt sich immer
Egal ob Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen: Der Zinssatz macht den größten Unterschied. Bei einer Restschuld von 200.000 € und 10 Jahren Laufzeit kostet 0,5 % mehr Zins rund 10.000 € mehr. Deswegen: Immer mindestens drei Angebote einholen — Hausbank, Vermittler, Direktbank.
Ein guter Einstieg: Unser Überblick zu Interhyp vs. Dr. Klein im Vergleich und unsere 10 wichtigsten Tipps zur Anschlussfinanzierung.
Checkliste: Das müssen Sie vor der Anschlussfinanzierung erledigen
- Enddatum der aktuellen Zinsbindung ermitteln
- Aktuelle Restschuld berechnen (Kontoauszug anfordern)
- Immobilienwert neu schätzen lassen (Beleihungsauslauf verbessern)
- SCHUFA-Selbstauskunft anfordern und auf Fehler prüfen
- Einkommensnachweise und Lohnzettel bereithalten
- Mindestens 3 Angebote vergleichen (Hausbank + Vermittler + Direktbank)
- Zinsbindungsdauer und Tilgungsrate neu festlegen
- Sondertilgungsrecht verhandeln (mind. 5 % p.a.)
- Wechselkosten kalkulieren (Grundschuldübertragung: 150–450 €)
- Vertragsunterlagen sorgfältig prüfen bevor unterschreiben
Idealerweise 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung. So haben Sie genug Zeit für einen gründlichen Vergleich und Verhandlungen, ohne unter Zeitdruck zu stehen.
Fast immer. Die Grundschuldübertragung kostet 150–450 €, amortisiert sich aber bei 0,2 % günstigerem Zins und 200.000 € Restschuld schon in wenigen Monaten. Vergleichen Sie immer externe Angebote, bevor Sie bei der Hausbank verlängern.
Das ist selten, aber möglich — etwa bei stark gesunkenem Einkommen. In diesem Fall hilft oft die Prolongation bei der bisherigen Bank, ein Bürge oder ein spezialisierter Broker. Kontaktieren Sie rechtzeitig mehrere Anbieter.
Ja, das ist möglich. Wenn Sie eine höhere Restschuld haben und die Schulden schnell tilgen möchten, kann eine kürzere Zinsbindung mit höherer Tilgungsrate sinnvoll sein. Beachten Sie aber das Zinsänderungsrisiko.