Banken kalkulieren beim Prolongationsangebot bewusst einen Aufschlag ein — in der Erwartung, dass die meisten Kunden unterschreiben, ohne zu vergleichen. Wer verhandelt, zahlt weniger. Wie viel weniger? Typisch 0,15–0,40 % — bei 200.000 € und 10 Jahren sind das 3.000–8.000 Euro.
Warum Verhandeln bei der Anschlussfinanzierung funktioniert

Ihre Hausbank hat einen starken Anreiz, Sie zu behalten:
- Ein bestehender Kunde kostet keine Akquise — kein Marketing, kein Vertrieb
- Ihre Kredithistorie ist bekannt — keine aufwändige Bonitätsprüfung
- Verlust eines Bestandskunden bedeutet echten Umsatzverlust
Das gibt Ihnen Verhandlungsmacht — wenn Sie sie nutzen.
Das Verhandlungs-Grundprinzip: Externes Angebot
Ohne externes Angebot können Sie nicht wirklich verhandeln — Sie haben keine Basis. Mit einem günstigen Konkurrenzangebot auf dem Tisch ändert sich die Situation fundamental.
Schritt 1: Holen Sie mindestens 2–3 externe Angebote ein (Interhyp, ING, DKB oder Dr. Klein).
Schritt 2: Gehen Sie mit dem günstigsten Angebot zur Hausbank.
Schritt 3: Fragen Sie direkt: „Ich habe ein Angebot zu X %. Können Sie das unterbieten?"
Rechenbeispiel: Was 0,20 % Verhandlung bringt
Restschuld 200.000 €, 10 Jahre Zinsbindung.
| Szenario | Zinssatz | Monatsrate | Zinslast 10 Jahre |
|---|---|---|---|
| Erstangebot Hausbank | 3,9 % | ca. 983 € | ca. 67.400 € |
| Nach Verhandlung (−0,20 %) | 3,7 % | ca. 950 € | ca. 63.800 € |
| Nach Vergleich + Wechsel | 3,5 % | ca. 917 € | ca. 60.200 € |
| Ersparnis Erstangebot vs. Vergleich | −0,4 % | 66 €/Monat | ca. 7.200 € |
Verhandlungs-Skript: Was Sie konkret sagen
Einstieg (Angebot vorgelegt):
„Ich habe Ihr Prolongationsangebot erhalten. Ich habe mir gleichzeitig Vergleichsangebote geholt und ein Angebot zu [X] % für [Laufzeit] Jahre. Was können Sie mir als langjährigem Kunden anbieten?"
Nach erstem Gegen-Angebot der Bank:
„Das ist schon besser, aber noch [Y] % über dem günstigsten Angebot. Ich würde gerne bei Ihnen bleiben — können Sie noch auf [Z] % gehen?"
Wenn die Bank ablehnt:
„Dann müsste ich leider wechseln. Können Sie mir das finale Angebot schriftlich geben, damit ich direkt vergleichen kann?"
Allein die Bereitschaft zum Wechsel zu signalisieren, bewegt viele Banken.
Was Sie außer dem Zinssatz verhandeln sollten
- Sondertilgungsrecht: Mindestens 5 % der Restschuld pro Jahr kostenfrei — viele Banken geben 10 %
- Tilgungssatzwechsel: Möglichkeit, den Tilgungssatz einmal pro Jahr anzupassen
- Bereitstellungszinsfreie Zeit: Mindestens 3 Monate — besser 6 Monate
- Grundschuld-Abtretungskosten: Bei Umschuldung: Manche neue Banken übernehmen die Notarkosten
Timing: Wann am besten verhandeln?
- 6 Monate vor Ablauf: Genug Zeit für echten Wechsel — maximale Verhandlungsmacht
- Montags bis Mittwochs, Vormittag: Berater haben dann mehr Zeit und Geduld
- Nicht am Monatsletzten: Dann stehen Quartalsziele an — andere Prioritäten
- Schriftlich nachfassen: Mündliche Versprechen per E-Mail bestätigen lassen
Weiterführend: Detaillierte Verhandlungsstrategien | Anbietervergleich | Wann das Angebot ablehnen?
Kann ich wirklich mit der Bank über Zinsen verhandeln?
Ja — besonders bei der Anschlussfinanzierung. Banken haben Spielraum von typisch 0,10–0,30 %, den sie bei starken Kunden auch nutzen. Voraussetzung: Sie haben ein externes Vergleichsangebot und signalisieren Wechselbereitschaft. Ohne diese Basis verhandeln Sie im Leeren.
Was ist ein realistisches Verhandlungsziel?
0,10–0,20 % gegenüber dem Erstangebot ist realistisch und häufig erreichbar. Mehr als 0,30 % ist selten — außer Sie haben eine sehr starke Position (niedrige LTV, sehr gute Bonität, oder das Erstangebot war deutlich über Marktniveau). Wichtiger als die Bank zu verhandeln: oft besser, direkt zur günstigeren Bank zu wechseln.
Soll ich die Verhandlung schriftlich oder persönlich führen?
Beides kombiniert: Erstgespräch persönlich oder telefonisch (schnellere Reaktion, persönliche Dynamik), anschließend alles schriftlich bestätigen lassen (Beweis, kein Rückzug). Eine E-Mail „Ich bitte um Bestätigung Ihres Angebots von X % für Y Jahre" sichert das Ergebnis.