Wer aus beruflichen oder privaten Gründen ins Ausland zieht, aber noch eine finanzierte Immobilie in Deutschland hat, steht bei der Anschlussfinanzierung vor spezifischen Herausforderungen. Viele Banken meiden Kreditnehmer mit ausländischem Wohnsitz — besonders außerhalb der EU. Dieser Ratgeber zeigt, wer trotzdem finanziert und was steuerlich gilt.
Das Grundprinzip: Immobilie bleibt in Deutschland, Sie nicht

Der Kredit ist an die Immobilie in Deutschland geknüpft, nicht an Ihren Wohnort. Das klingt einfach — ist es für Banken aber nicht. Kernprobleme aus Bankperspektive:
- Einkommensprüfung: Ausländisches Einkommen ist schwerer verifizierbar, Währungsrisiken entstehen
- Rechtsdurchsetzung: Bei Zahlungsausfall ist die rechtliche Durchsetzung gegen im Ausland lebende Schuldner aufwendiger
- Regulatorische Anforderungen: Geldwäscheverordnungen machen Nicht-EU-Kunden aufwendiger
Wer finanziert — nach Wohnsitzregion
| Wohnsitzregion | Bankenzugang | Besonderheiten |
|---|---|---|
| EU/EWR (z.B. Österreich, NL) | Gut — viele Banken | Euro-Einkommen vereinfacht Prüfung |
| Schweiz | Mittel — spezielle Banken | CHF-Risiko, aber starke Bonität i.d.R. |
| USA / Kanada | Schwierig — wenige Banken | FATCA-Regulierung, USD-Risiko |
| VAE / Singapur | Schwierig, aber möglich | Gute Bonität hilft, Vermittler nötig |
| Hochrisikoländer (FATF-Liste) | Kaum Banken | AML-Anforderungen blockieren |
Prolongation bei der Hausbank: Einfachster Weg

Die Hausbank kennt Ihre Geschichte seit Jahren. Sie hat die Immobilie als Sicherheit und verlängert in den meisten Fällen — auch wenn Sie im Ausland leben. Das ist der Weg des geringsten Widerstands. Trotzdem: Auch hier sollten Sie über den Zinssatz verhandeln.
Taktik: Selbst bei Prolongation Konkurrenzangebote von Vermittlern einholen (auch wenn diese für Auslandsdeutsche weniger Optionen haben) und die Hausbank damit konfrontieren. Auch ohne Wechseldrohung reagieren Banken oft mit 0,1–0,2 % Nachlass.
Rechenbeispiel: Deutscher in der Schweiz, Haus in Bayern
Ausgangslage: Herr M. lebt seit 3 Jahren in Zürich, arbeitet bei einer Schweizer Bank (Einkommen: 12.000 CHF brutto/Monat ≈ 12.500 € bei aktuellem Kurs). Immobilie in München, Restschuld 280.000 €, Zinsbindung läuft aus.
Bankenoptionen:
- Hausbank (Sparkasse München): Prolongiert bereitwillig — Kunde seit 15 Jahren. Angebot: 4,0 % für 10 Jahre.
- ING Deutschland: Akzeptiert Schweizer Wohnsitz grundsätzlich, verlangt aber aktuellen Schweizer Lohnausweis (übersetzt, beglaubigt). Angebot über Vermittler: 3,65 %.
- Münchener Hypothekenbank: Spezialisiert auch auf Auslandsdeutsche. Angebot: 3,72 %.
- Direktbanken DKB, Volksbank: Keine Nicht-EU-Residenten.
Kosten des Bankwechsels von 4,0 % auf 3,65 %:
- Zinsunterschied 0,35 % auf 280.000 € = 980 € pro Jahr
- 10 Jahre: 9.800 € Ersparnis
- Notar + Grundbuch Bankwechsel: ca. 600 €
- Netto-Ersparnis: 9.200 € — trotz erhöhtem Aufwand klarer Gewinn
Unterlagen aus dem Ausland: Was Banken verlangen
- Offizieller Einkommensnachweis aus dem Wohnsitzland (oft übersetzt + beglaubigt)
- Kontoauszüge eines deutschen Kontos (sollten Sie unbedingt behalten)
- Nachweis des aktuellen Wohnsitzes (Meldebestätigung des Gastlands)
- Reisepass (statt Personalausweis — da kein DE-Wohnsitz)
- Alle üblichen Unterlagen zur Immobilie (Grundbuch, Versicherung etc.)
Steuerliche Besonderheiten: Beschränkte Steuerpflicht
Wer in Deutschland keinen Wohnsitz mehr hat, aber Mieteinnahmen aus einer deutschen Immobilie bezieht, ist beschränkt steuerpflichtig in Deutschland:
- Mieteinnahmen sind in Deutschland steuerpflichtig (Anlage V)
- Zinsen der Anschlussfinanzierung bleiben bei Vermietung als Werbungskosten absetzbar
- Kirchensteuer entfällt, Solidaritätszuschlag entfällt (beschränkt Steuerpflichtige)
- Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Wohnsitzland prüfen
- Steuernummer in Deutschland für die Abgabe der Steuererklärung erforderlich
Praxistipp: Ein Steuerberater mit Erfahrung in beschränkter Steuerpflicht kostet ca. 500–1.500 € pro Jahr, optimiert aber die Steuerlast erheblich und spart oft ein Mehrfaches seines Honorars.
Was Sie tun sollten — Handlungsempfehlung
- Deutsches Konto und SCHUFA-Eintrag aktiv halten (kein komplettes Loslösen von DE-Bankverbindungen)
- Prolongation bei der Hausbank als erste Option prüfen (einfachster Weg)
- Parallel: Vermittler kontaktieren, die Erfahrung mit Auslandsdeutschen haben (Dr. Klein, Interhyp fragen)
- Kreditvertrag auf Meldepflichten prüfen — Wohnsitzwechsel melden
- Steuerberater für beschränkte Steuerpflicht einschalten wenn Mieteinnahmen vorhanden
Weiterführend: Eigennutzung vs. Vermietung | Beratung — wann nötig? | Glossar
Kann ich von der Schweiz aus eine deutsche Anschlussfinanzierung abschließen?
Ja — aber nicht bei allen Banken. ING Deutschland, Münchener Hypothekenbank und einige Banken über Interhyp akzeptieren Schweizer Wohnstatus. Die Prolongation bei der Hausbank ist meist der einfachste Weg.
Was ist beschränkte Steuerpflicht und was bedeutet das für meine Zinsen?
Beschränkte Steuerpflicht gilt für Personen ohne deutschen Wohnsitz, die Einkünfte aus Deutschland beziehen (z.B. Mieteinnahmen). Die Zinsen der Anschlussfinanzierung sind bei Vermietung weiterhin als Werbungskosten absetzbar — das ist ein wichtiger Steuervorteil.
Muss ich die Bank über meinen Umzug ins Ausland informieren?
In fast allen Kreditverträgen ist eine Meldepflicht bei Wohnsitzwechsel verankert. Informieren Sie die Bank proaktiv — eine verschwiegene Täuschung kann im Extremfall zur Kreditkündigung führen. In der Praxis reagieren Banken bei gutem Zahlungsverhalten moderat.